Essays


(Zitate aus Band 6 der neuen Gesamtausgabe)

I .Dichterportraits

Wiedergeschenkter Oskar Loerke
Die physische Präsenz der Dinge ist dem Dichter zu wichtig und zu wertvoll, als dass er sie mit den Schattengewändern gedanklicher Verkleidung verhängte. Er fürchtet, dass sie darunter erblinden. Klar hat er selbst seine Gedichte genannt, und nur der träge Leser schilt sie schwierig. (a.a.O.,S.163)

Über Friedrich Hebbel
Hebbel wusste sehr genau das Wesen der Kunst, auch und gerade der lyrischen, gründet er doch seine Zuversicht des Überlebens auf seine Gedichte, aber in der Tat ist ihm zu oft der gestaltlose Gedanke zuerst da, zu direkt dringt er auf das Absolute ohne den der Kunst gemäßen Umweg über die Einzelerscheinung. (a.a.O., S.89)

II. Zur Poetologie

Mich der Phänomene, ihrer hinreißenden Vielfalt, ihrer bezaubernden oder erschreckenden Geschehensweise mit Sprache zu versichern, das wurde mein Los, mich im erstaunlichen Diesseits einigermaßen auszukennen, mein dringliches Geschäft. Von den Dingen zur Sprache, nicht umgekehrt... (a.a.O.,S.324 f)

Das gelungene Gedicht versetzt Menschen wie Dinge aus einem ungenauen in einen genauen Zustand. Es betrügt ihn und sie gerade nicht um das Dasein, sondern verleiht es ihnen... (a.a.O.,S,239)

Allen Bedrängnissen zum Trotz entsteht immer wieder Kunst, ersteht immer wieder die künstlerische Einsamkeit, dringt hingerissener Blick auf die Erscheinungen ein und stellt ihre geheimnisvolle Wirklichkeit dar (auch die sogenannte abstrakte Kunst tut es auf Umwegen). Die ganze Arbeit der Dichtung besteht darin, ihr Instrument, die Sprache, schon an sich kühlende Abstraktion, so zu führen, dass sie der sinnfälligen Tat der Welt gerecht werde, also der Tendenz zur Abstraktion entgegenwirke. (a.a.O.,S,485)